Impulse zu Innovation, Digitalisierung, High Tech und AI: Der Quantum Beyond Blog analysiert aktuelle Entwicklungen, gibt Impulse für die Zukunft und nutzt historische Perspektiven, um neue Wege für moderne Organisationen aufzuzeigen.

Wir wollen den Sprung in das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz schaffen, aber wir verwalten Deep Tech wie den Bau einer Landstraße. Wer in Deutschland staatliche Fördermittel für radikale Innovationen beantragt, ertrinkt in Gantt-Diagrammen und Verwertungsplänen. Der Staat versucht krampfhaft, das Risiko aus der Disruption herauszurechnen – und tötet damit genau jene Innovation, die er eigentlich finanzieren will.
Von Sebastian Büttner

Wenn digitale Großprojekte in Deutschland ins Stocken geraten, ist der Schuldige schnell ausgemacht: der Föderalismus. Doch ein globaler Blick entlarvt diese Diagnose als zu bequemes Alibi. Im Zeitalter von Cloud-Computing und Künstlicher Intelligenz scheitert die deutsche Verwaltung nicht an ihrer Verfassung – sie leidet unter einer kulturellen Weigerung, die Architektur von Macht neu zu denken.
Von Sebastian Büttner

Ein Skandal erschüttert die Buchwelt: Der Großverlag Hachette stoppt die Veröffentlichung des gefeierten Horror-Romans „Shy Girl“ wegen des Verdachts, die Autorin habe Künstliche Intelligenz genutzt. Auf Reddit bejubeln die Nutzer den Sieg gegen die „seelenlose Maschine“. Doch diese Empörung offenbart ein tiefes Missverständnis darüber, was Kunst eigentlich ist. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Werkzeuge automatisieren das Handwerk, aber sie ersetzen niemals die menschliche Haltung.

Innovation wird in Europa häufig entweder als politisches Steuerungsprojekt verstanden – oder als reines Marktphänomen. Diese Gegenüberstellung ist zu einfach und angesichts globaler Herausforderungen wie dem KI-Wettlauf gefährlich. Denn ein wir wirksamer Staat kann deutlich mehr leisten: Er kann Innovation nicht erzeugen, aber gezielt ermöglichen, katalysieren und durch strategische Nachfrage in den Markt tragen.

Kaum eine technologische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte hat eine derart unmittelbare Debatte über die Zukunft der Arbeit ausgelöst wie die Künstliche Intelligenz. Während Unternehmen investieren, experimentieren und skalieren, schwankt die öffentliche Diskussion zwischen zwei Extremen: Auf der einen Seite die Erwartung massenhafter Jobverluste, auf der anderen die Hoffnung auf eine neue Ära gesteigerter Produktivität. Beide Perspektiven greifen zu kurz …

Wenn wir heute über Elektromobilität sprechen, klingt es oft wie der Beginn von etwas völlig Neuem. Doch das ist eine verkürzte Erzählung. Elektromobilität ist keine Innovation des 21. Jahrhunderts. Sie ist eine Idee, die schon einmal kurz davorstand, sich durchzusetzen – und dann vom System verdrängt wurde. Was wir heute erleben, ist keine Revolution. Es ist ein zweiter Anlauf.
Geopolitische Spannungen, volatile Energiepreise und neue Abhängigkeiten zwingen uns, alte Entscheidungen neu zu bewerten. Die Frage ist längst nicht mehr, ob Elektromobilität kommt. Sondern ob wir diesmal das System richtig bauen.

Als wir vor genau einem Jahr auf diesem Blog die Zukunft der elektronischen Patientenakte (ePA) skizzierten, wagten wir eine Prognose, die uns in der Fachwelt – namentlich in der IT-Entwicklerszene hinter dem Großprojekt – heftigen Gegenwind einbrachte. Wir sprachen von einer „Digitalisierung ohne Digitalisierung“. Die Reaktionen auf LinkedIn waren teilweise grenzwertig; man sprach uns die Kompetenz ab, die „unfassbare Komplexität“ eines Systems zu begreifen, dessen technische Spezifikationen wir angeblich unterschätzten. Heute, im März 2026, blicken wir zurück. Nicht mit Triumphgefühl, sondern mit der Nüchternheit einer notwendigen Bestandsaufnahme. Der bundesweite Rollout, der nach der Pilotphase am 29. April 2025 begann und seit Oktober 2025 für Leistungserbringer verpflichtend ist, bietet nun genügend Datenmaterial für ein ehrliches Resümee.

Der KI-Boom hat die Experimentierphase verlassen. Während wir uns 2026 mit den physikalischen Grenzen des Stromverbrauchs auseinandersetzen, stellt sich intern eine ganz andere Frage: Wie diffundiert das Wissen über Large Language Models, Agentic Workflows und neuronale Effizienz in die täglichen Prozesse, ohne dass jede Abteilung das Rad neu erfinden muss?

Januar 2026. Wer die Zukunft der Künstlichen Intelligenz verstehen will, darf nicht mehr nur auf Chips von Nvidia oder AMD schauen. Er muss auf den Stromzähler blicken. Während Unternehmen noch über Prompt-Engineering diskutieren, tobt im Hintergrund ein brutaler Verteilungskampf um die knappste Ressource der digitalen Ära: Das Netz. Eine Analyse, warum der Standort eines Rechenzentrums plötzlich Geopolitik ist.

Das operative Geschäft des Jahres 2025 läuft im Endspurt, doch in den Chefetagen zwischen Stuttgart und Wolfsburg ist die Messe bereits gelesen. Wer in diesen Tagen auf die Zahlen blickt, weiß: 2025 geht als das Jahr der Desillusionierung in die Geschichte ein. Nun, kurz vor dem Jahreswechsel, stellt sich die Existenzfrage: Wird 2026 der erhoffte Befreiungsschlag – oder der Beginn eines schleichenden Abschieds von der Weltspitze?